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1997 Munde

Tiroler Tageszeitung am 9. Juni 1997

Menschen auf der Insel namens "Munde"

Wenn die Menschen nicht auf den Berg gehen, muss die "Munde" zum Publikum kommen: Mitterers Drama erlebte Premiere am FuĂźe des Patscherkofels.

Fünf Menschen, denen die Beschäftigung in derselben Dachdeckerfirma gemeinsam ist, kommen auf den Gipfel des Telfer Hausberges, die Munde, zusammen, der Betriebsausflug ist Anlass für die Bergtour in die Abgeschiedenheit. Die Uraufführung des Stückes fand - dem Gebot der Einheit von Ort und Zeit der Handlung folgend - auf der 2592m hohen Munde statt, dreieinhalb Stunden Bergwanderung von Theatermannschaft und Publikum fordernd.

Die Dorfbühne Patsch wählte den Pfaffenbichl für die Aufführung, fünf LKW-Ladungen Gestein verwandelten das Weideland zur Gipfelebene, mit direktem Blick auf die Munde, hinter der zu Beginn der Aufführung die Sonne verschwand. Die Annehmlichkeiten der Erreichbarkeit minderten dabei in keiner Weise die Inszenierung; Regie, Licht und Tribünenaufbau brachten die Zuschauer in Kürze in die inselgleiche Abgeschiedenheit der Bergwelt, in der vier Männer und eine Frau Spannungen und Konflikte auslebten, zugleich aber auch Zuneigung zeigten, die "drunten im Tal" - hauchdünn - zugedeckt blieben. Der Geselle Gerhard (Hannes Erhard) lebt den gewalttätigen Macho aus, dessen Agressionen sich gegen den altgedienten Meister Willi (Hans Braunegger) und den herumgestiefelten Stift Tommi (Hermann Knoflach) richten, mehr noch gegen den türkischen Gastarbeiter Memet (Adi Knoflach), aber auch gegen seine Freundin Petra (Sonja Strobl).

Willi bekommt unvermittelt präsentiert, dass er anderntags gekündigt wird, Tommi erlebt, dass „härtere Zeiten“ für ihn kommen werden, wenn Gerhard erst einmal die rechte Hand des Chefs wird. Was erst noch verbal an Gewalt zum Ausdruck kommt, wird immer mehr in Handlungen verlegt, je stärker die im Tal geübte Zurückhaltung zerbröckelt und der reichlich konsumierte Alkohol die Hemmungen nimmt.
Adi Knoflach hat seine Regie eng am Stück gehalten und mit Tempo den natürlichen Bühnenraum genützt. Geschick hat er in der Auswahl der Spieler bewiesen – alle fünf (er selbst ist Memet) sind authentische Figuren, die – wie auch die Dachdeckerinnung bestätigt – aus dem wirklichen Leben geholt sind, ein Umstand, den der bei der Premiere anwesende Memet aus der Uraufführung (Ibrahim Kalin, Türke, seit 1973 in Tirol) bestätigt und seinem „Nachfolger“ Knoflach zur wirklichkeitsnahen Umsetzung gratuliert.